Liebste Zuckermäuse,
na, habt ihr frei die Tage oder seid ihr arbeiten und völlig aus dem Wochen-Rhythmus gefallen?
Ich hatte diese Woche ein paar Tage frei und war mit Theo und der Selma unterwegs. Vielleicht fragt sich der eine oder andere, warum ich mir das antue, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in einem kleinen Auto zu schlafen?! Macke? Langweile?
Gut, das mit der Macke steht, glaube ich, außer Frage. Aber, es hat tatsächlich einen Grund. Ich will mich immer mehr kennenlernen. Das klingt jetzt vielleicht komisch so mit 50, ich mein es folgendermaßen.
Was wir meistens darunter verstehen, sich zu kennen, sind unsere Programmierungen. Also das, was wir von klein auf gelernt haben, verinnerlichten und oft heute bewusst oder unbewusst danach handeln. Also im Sinne von: „Wenn du das und das machst, dann passiert das und das.“ Oft haben wir diese Erfahrungen nicht selber gemacht, sondern erzählt bekommen und ohne zu prüfen (logisch für ein Kleinkind) diese Erfahrung als unsere übernommen. Jetzt hatte ich schon immer damit ein großes Problem und keine Lust, auf die Erfahrungen anderer zurück zu greifen. Besonders dann, wenn es noch nicht mal Erfahrungen waren, die der Erzählende selber gemacht hat, sondern er auch nur nach plapperte, was so die allgemeine Meinung war.
Es gibt unzählige Beispiele dafür in meinem Leben, wo mir ungefragt reingeredet wurde. Irgendwann habe ich mich nicht mehr davon beeindrucken lassen und hab nur noch die Ohren aufgesperrt, bei Leuten die tatsächlich Erfahrung zu einem Thema hatten und selbst bei denen habe ich mir immer gesagt, dass das deren Eindrücke sind und meine ganz anders aussehen können. Also zurück zum Praktischen. Ich wollte wissen, ob ich tatsächlich friere in meinem Auto und vor allem wie ich damit umgehe. Ich wollte wissen, was für Gedanken oder Gefühle kommen, wenn ich nachts ohne Ablenkung im Auto liege. Würde ich Angst haben? Würde ich mich einsam fühlen?
Meine Erkenntnisse aus den paar Tagen waren folgende:
Ich hatte keine Angst. Auch nicht, als mein Stellplatz von der Kleinstadtjugend eingenommen wurde um zu feiern. Ich war nur etwas genervt. Aber nicht viel. Angst war auch kein Thema an völlig verlassenen Stellplätzen. Aha, das ist also eine Sache, die so nicht oder nicht mehr stattfindet in mir.
Mit der Einsamkeit war das schon eine andere Hausnummer. Da es ja ab um vier Uhr dunkel ist, kann man draußen nicht mehr viel machen. Das hieß, entweder fahren oder Stellplatz suchen. Als ich dann so um sechs in meinem Schlafsack eingemummelt im Auto lag, war das eine echte Herausforderung. Was fängt man an? Es kam ein bisschen Langeweile auf und Gedanken, die mich schon in Richtung Einsamkeit zogen. Damit wurde die Brust schwerer und alles herum ein bisschen düsterer. Echt jetzt? Ich unabhängiges, selbstbewusstes Frauenzimmer kann keine paar Stunden mit mir ohne Beschäftigung alleine sein? Das enttäuschte mich ehrlich. Wäre ich vielleicht so nicht drauf gekommen. Gut, dann fühlte ich eben diese Schwere und diese Sehnsucht und schlief darüber ein.
Auf der Fahrt am nächsten Tag kamen dann endlich die tiefen Erkenntnisse zu meinen Gefühlen. Achso, das ist wichtig. Wenn man gefühlt hat, was tatsächlich ist in dem Moment, dann wird man „belohnt“ mit Erkenntnis und damit einem weiteren Stück emotionaler Freiheit.
Bei mir kam folgendes: Ich persönlich bin nicht vom Comfort abhängig. Ich kann Uncomfortables aushalten. Bin also nicht im Zwang, sondern kann wählen. Und klar, mit Comfort ist es netter. Punkt.
Dann weiter: Ich brauche keine Gesellschaft. Ich kann mit mir alleine auskommen. Mal ist es schöner, mal tuts weh. Auch hier kein Zwang. Kann es mit der richtigen Gesellschaft netter sein? Natürlich. Ist das schlimm? Nö. Gefroren habe ich übrigens nicht. Das war tatsächlich so gar kein Thema.
So ihr süßen Mäuse, das war´s für heute aus meinem Kopf und Herz.
Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende und Freude bei allem was ihr so anstellt.
Dickes Drückerchen und bis nächste Woche
Eure Grit


PS: Theo hat es so angekotzt! Er war überglücklich als wir wieder zu Hause waren:-)

No responses yet