Liebste Menschen,
ich erzähle heute über Affären.
Es ist viele Jahre her.
Ich kam aus dem Büro und sah einen Mann etwas weiter weg stehen und rauchen. Ich dachte mich trifft der Schlag. Mein Herz pochte wie wild und ich musste ihn immer wieder angucken. Am liebsten wäre ich einfach stehen geblieben und hätte ungeniert gestarrt.
Hab ich natürlich nicht gemacht.
Ich bin ein Stück weitergelaufen, hab mich an einer Hecke versteckt und hab von dort weiter geguckt.
Ich hatte diesen Mann noch nie gesehen und konnte mir auch nicht vorstellen, dass er zu der Firma gehörte; in der ich zu dieser Zeit arbeitete.
Irgendwann ist er gegangen. Meine Herzfrequenz hatte sich auch wieder normalisiert, sodass ich verwundert über das was gerade war, auch in Richtung meines Autos gelaufen bin.
Es verging Zeit und ich dachte nicht mehr an diesen Nachmittag.
Damals habe ich noch geraucht und genoss zum Kaffee gerne mal ein Kippchen im Hof unserer Firma.
Und da stand er plötzlich.
Mich durchschoss das gleiche Gefühl wie beim ersten Mal. Mein Puls raste, meine Handflächen waren schwitzig und ich hatte Mühe einen Fuß vor den anderen zu setzen. Gott sei dank gab es keine Treppen!
Er stand da mit anderen Kollegen und ich hatte Zeit, ihn mir ein bisschen genauer anzuschauen, verstohlen natürlich.
Meine Güte war der schön! Kantige Gesichtszüge, coole Frisur, er war groß, athletisch und hatte eine Ausstrahlung; einfach zum Niederknien.
Ich war schockverliebt.
Die Pausen wurden ab diesem Tag enorm wichtig.
Ich hoffte jedesmal, dass er auch gerade draußen war.
Ich hatte des öfteren Glück und wir kamen so langsam als Kollegen ins Gespräch.
Es stellte sich heraus, dass er eine tolle Stimme hatte, intelligent war, über einen grandiosen Humor verfügte, Vater war UND in einer langjährigen liebevollen Partnerschaft steckte.
Scheiße, aber okay.
Wir teilten viel Zeit auf Arbeit miteinander , weil es einfach so unglaublichen Spaß machte, mit diesem Mann beisammen zu sein.
Das ging über viele Monate so bis zu dem Tag, als wir uns zum Schwatzen für den Nachmittag verabredeten.
Als wir über diese dienstliche Schwelle ins Private gegangen sind, habe ich seine persönliche Situation komplett ausblenden können. Ich wusste einiges von seiner Frau und dachte mir noch wow, was für eine coole Tante. Heute finde ich es aus einer anderen Perspektive interessant, wie hart man Menschen oder Dinge verdrängen kann.
Meine Einstellung damals war die, dass ich ja Single bin, niemandem Rechenschaft schulde und deshalb auch keine Verantwortung für das was passiert übernehmen muss.
Das hat zu 100 % der Mann zu tun.
Auf meine heutige Sicht dazu, komme ich gleich.
Es fing, die bis dahin, schönste Zeit mit einem Mann für mich an.
Er überraschte mich; erfüllte kleine und große Wünsche, war romantisch und sensibel. Ich war ihm völlig verfallen.
Die, die in ähnlichen Situationen waren, wissen allerdings wie es weitergeht.
Es wurde immer schwerer auszublenden; dass da noch andere Menschen beteiligt sind. Die Leichtigkeit in den Gesprächen weicht ernsteren Themen und Fragen und das Gefühl der zweiten Geige lässt sich immer schlechter unterdrücken an „Wartetagen“.
Unsere Affäre kam , Gott sei dank, schon nach ein paar Monaten, ans Licht. Es gab Ultimaten, Tränen bei Allen und eine Entscheidung.
Er ist zu seiner Frau gegangen.
Danach brauchte ich zwei Jahre und einen Schilddrüsenknoten um wieder klar zu kommen.
In dieser Geschichte war ich die andere Frau. In einer anderen Story wurde ich betrogen und durfte ein bisschen reinschnuppern, wie sich das so anfühlt.
Was habe ich gelernt?
Es war auch meine Verantwortung der anderen Frau gegenüber. Ich habe dadurch, dass ich beigetragen habe, sie zu verletzen, mich selber verletzt. Wenn es ein weibliches kollektives Bewusstsein gibt, und ich bin davon überzeugt, dann habe ich es sogar nicht nur ihr angetan, sondern allen Frauen. Und dafür muss ich Verantwortung übernehmen.
Ich habe in Meditationen genau diese Frau und alle andern Frauen um Vergebung gebeten.
Was noch?
Ich habe diesen Mann nicht geliebt. Ich war in das Gefühl verliebt, welches er mich fühlen ließ.
Ich bin wertvoll, begehrenswert, liebenswert und und und. Mehr nicht.
Heute kann ich das mit diesem Gefühl schon viel besser alleine.
Meine lieben Zuckermäuschen, ich wünsche Euch bei all euren Vorhaben dolle Freude, schönes Wetter und liebe Menschen.
Fühlt Euch gedrückt und bis bald
Eure Grit

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