So. Hochsensibilität. Na klasse. Ich weiss jetzt, was alles nicht geht. Und angeblich haben „Dinge“ immer zwei Seiten. Also, was ist jetzt bitte das Gute daran?!

Diese und viele andere Fragen gingen mir damals durch den Kopf. Meiner Arbeit im Großraumbüro mit den vielen Kunden konnte ich nicht mehr mit der Begeisterung nachgehen, seit ich wusste, dass sie Teil meines Problems war. Aber was konnte ich machen? Zu dieser Zeit hatte ich mich schon ein bisschen mit Spiritualität und Bewusstseinsthemen beschäftigt. Es hieß aus unterschiedlichen Quellen, dass alles was man selber für sein Leben braucht, schon in einem selbst da ist. Auf alle Fragen sind die Antworten in einem abgelegt, in einem höheren Bewusstsein. Erfahrungen hatte ich dazu nur ein klein wenig. Jetzt schrieb ich auf einen Zettel: Was ist mein Herzenswunsch? Was soll ich tun?

Den Zettel legte ich auf meinen Nachttisch, sodass ich diese Fragen vorm Schlafengehen in meinen Geist mitnehmen konnte.

Was soll ich sagen!? Ich weiss heute nicht mehr, ob ich die Antwort direkt am nächsten Morgen hatte oder erst nach einer Woche. Auf alle Fälle stand in großen Lettern vor meinem geistigen Auge: „Kauf dir eine Massageliege!“

Hm. Okay. Und dann? Ich kann nicht massieren. Warum muss ich jetzt Leute anfassen? Echt jetzt?! Was kostet so ne Liege überhaupt?

Nach einer kurzen Recherche, hakte ich den Kostenfaktor ab und versuchte die Dinge laufen zu lassen. Ich besorgte eine einfache Liege, stellte sie auf und wartete.

Unmittelbar nach dieser Antwort erfuhr ich, dass ein lieber Freund nach Kambodscha flog und dort in eine Schule gehen wollte, um die Thai-Massage zu lernen. Ich fragte ihn nach seiner Reise, ob er mir ein bisschen was vom Gelernten zeigen könne. Es stellte sich heraus, dass ich Freude an der Berührung hatte und ziemlich schnell lernte.

Zeitgleich vertiefte sich eine Beziehung zu einer Frau, die im Unternehmen die Kollegen massierte und auch von ihr durfte ich lernen. Auf einmal war ich wie ein Schwamm und sog alles an Informationen von Therapeuten auf, die ich in der Zeit zahlreich besuchte.

Dann war es irgendwann soweit und ich hatte mir eine 60 Minuten Choreografie zusammengestellt, die ich meiner Familie und engen Freunden vorstellen wollte.

Meine Güte war ich aufgeregt! War der Druck zu stark? Hätte ich vielleicht doch mit der anderen Seite anfangen sollen? Warum wird die Stelle nicht weicher? Jetzt tun mir auch noch die Hände weh!

Ich war nach jeder Massage völlig fertig. Ganz im Gegensatz zu meinen Dummys, die meistens tiefenentspannt und locker von der Liege rutschten.

Als ich ein bisschen später nicht mehr über jeden Handgriff nachdenken musste und mir die Hände nicht mehr schmerzten, merkte ich, wie sich etwas bei der Massage veränderte. Ich machte die Augen zu und fing an, wirklich zu fühlen. Hier in meinem geschützten Raum konnte ich mich meiner Wahrnehmung hingeben, anstatt mich vor ihr schützen zu wollen. Ich beobachtete beim Fühlen ganz genau was der Körper auf der Liege brauchte und wie ich es für ihn am angenehmsten machen kann. Es fing eine Art Kommunikation an, der ich mich mit voller Aufmerksamkeit hingab. War das die „gute Seite“ der Hochsensibilität ?

Ich bemerkte, dass mein Job im Kundenservice immer noch sau anstrengend für mich war, es aber auch hier Veränderungen gab. Scheinbar bekam ich durch die Massagen mein System schneller frei und war nicht ganz so schnell fertig wie vorher!? Erklären konnte ich es mir nicht. Es war aber auch nicht so wichtig, ging es mir doch viel besser.

Für das kommende Jahr war ich damit beschäftigt, den Kreis von Massagefreunden zu erweitern, zu beobachten und zu lernen, bis zu dem Punkt, an dem ich mehr Informationen vom „Körper“ bekam als bisher und dachte, jetzt sind bestimmt ein paar Sicherungen bei mir durch!

Von diesem Drama mit seinen abgefahrenen Folgen erzähle ich beim nächsten Mal.

Grüßchen

Eure Grit

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