Liebste Menschen, es ist Freitag. Die Woche war doch wieder weg wie nüscht!? Das Wetter geht mir ja richtig auf den Zeiger. Jackenfutter rein oder raus, das ist jeden Morgen vorm Gassigehen die alles entscheidende Frage. Meist entscheide ich mich verkehrt und renne dem Hund entweder triefend oder fröstig auf der Hundewiese hinterher. Und welche Probleme habt ihr so am Morgen?!
Ich wollte ja ein bisschen was über Glaubenssätze erzählen. Dazu muss ich etwas weiter ausholen.
Meinen leiblichen Vater durfte ich leider nicht kennenlernen und bin die ersten 10 Jahre meines Lebens nur mit meiner Mutter und meiner Oma aufgewachsen. Was das für mein Männerbild und damit späteren Beziehungen bedeutete, habe ich lange Zeit nicht begriffen.
Ganz konkret, wenn ein Mädchen ohne ihren Vater aufwächst, manifestiert sich Folgendes: „Ich bin es nicht wert, von einem Mann geliebt zu werden.“ Außerdem hat dieses Mädchen keine Ahnung, wie sie auf das männliche Geschlecht wirkt, was es für männliche Reaktionen und Verhaltensweisen gibt etc. Es ist ein blinder Fleck.
Meine Grundüberzeugung war also „Ich bin es nicht wert von einem Mann/Jungen geliebt zu werden.“ Logischerweise suche ich mir dann unbewusst die Typen aus, die grob, unsensibel, wenig liebevoll und sehr hart sind. Hatte ich ja lt. meiner Überzeugung (Glaubenssatz) nicht anders verdient. Nun wollte ich ja aber bewusst geliebt werden und dachte, wenn der Typ ( je härter desto besser) mich trotzdem erwählte, für was auch immer, dann habe ich es geschafft. Dann bin ich es doch wert, geliebt zu werden. Ich hoffe, ich konnte es einigermaßen verständlich rüberbringen?!
Mein Beispiel dazu. Veit, 20, ich war 17 oder 18 Jahre. Er war sooo cool und schön und sowas von nicht interessiert an mir. Also, genau mein Typ. Ich bin jedes Wochenende in den Jugendclub Prohlis gerannt, in der Hoffnung, er ist da. Wenn er dann gelangweilt an der Bar stand, haute ich mein ganzes junges Repertoire raus, um auf mich aufmerksam zu machen. Heute ist mir das so peinlich.
Ich weiss nicht wie lange ich mit meiner Show gebraucht habe, aber irgendwann hatte ich ihn soweit, dass wir geredet haben und uns verabredeten. Was soll ich sagen. Es war ein Drama. Blöderweise hatte ich zu dieser Zeit den Alkohol für mich entdeckt, konnte überhaupt nicht damit umgehen und hob die Peinlichkeiten auf ein neues Level. Ich bettelte quasi um Aufmerksamkeit und verbog mich dafür fast vollständig. Das war Ringelpiez mit Anfassen. Je mehr ich Druck machte, desto weiter entfernte Veit sich und ich musste hinterher. Furchtbar, aber zu der Zeit nicht anders möglich.
Jetzt könnte man sagen: „Dann nimm doch jemanden Netten!“
Das ging nicht. Damit konnte ich überhaupt nichts anfangen. Das war mir sogar richtig suspekt. Wenn man sich die tiefe Überzeugung dazu anguckt, macht das auch Sinn. Ich war es ja nicht wert, geliebt zu werden. Was stimmte dann also mit dem Typen nicht, der sich aufrichtig für mich zu interessieren schien?! Er war ein Lappen!
Die Beziehung zwischen einem Mädchen und ihrem Vater ist also taktgebend für ihre späteren Beziehungen. War der Vater zwar da, aber emotional abwesend, wird sie ein ähnliches Muster entwickeln, wie ich.
Gab es eine liebevolle, wertschätzende Beziehung zwischen Tochter und Vater, wird sie sehr wahrscheinlich um „Idioten“ einen Bogen machen.
Ich habe für diesen Bogen mehr als 25 Jahre gebraucht. Besser spät als nie!
Ich kram gleich noch in der Kiste für ein Foto zu dieser Zeit.
Falls ihr Fragen habt, weil ich vielleicht zu sehr um die „Ecke geschrieben“ habe, meldet euch gerne!
Jetzt habt´s fein am Wochenende mit viel Huschligkeit und Decken und Kerzen und Kuschelsocken und Jackeninnenfutter😂
Eure Grit
PS ich habe heute leider kein Foto für Euch.
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