Liebste Menschen, seid gegrüßt.

Herbst mit meinem Hund Theo ist richtig schön. Wie ein kleines Kind rennt er jedem fliegenden Blatt hinterher, mit mir am anderen Ende der Leine. Gefühlte Stunden stehen wir an den vielen Laubhaufen, um jedes Blatt einzeln ab zuschnüffeln. Nicht das uns der Duft einer netten Hundedame entgeht!

Apropos Dame und Duft (wenn das keine 1A-Überleitung war!)

Meinen Typ Mann hatte ich also unbewusst schon festgelegt. Jetzt ging es darum, Einen zu finden. Bis zu meinem 21. Lebensjahr „graste“ ich das engere Umfeld ab, sprich Wohnumfeld, Berufsschule und Clique. Und für kurze Zeit fand ich auch immer einen spannenden jungen Mann. Action, Spass und Entertainment standen ganz oben auf meiner Liste und da bekam ich einiges geboten. Bis zu den ersten Auseinandersetzungen wars immer eine herrliche Zeit.

Mit 20 lernte ich dann den Vater meiner Tochter kennen. Er war 10 Jahre älter als ich und hat mich mit seinem Alter, seiner Karre und seiner Coolness schwer beeindruckt. Es hat nicht funktioniert. Rückblickend logisch, hatte ich doch die tiefe Überzeugung, nicht Männerliebenswert zu sein.

Dann war ich eine ganze Weile nicht mehr am anderen Geschlecht interessiert. Meine ganze Aufmerksamkeit und Zeit ging an meine Tochter, die ich mit 21 Jahren bekam.

Irgendwann hatte ich mich in das „Muttersein“ eingefuchst und steckte ganz sachte die Fühler nach Bekanntschaft aus. Nach der niederschmetternden Erfahrung, wollte ich es jetzt wirklich mal mit einem netten Mann versuchen. Meine Absichten waren gut und ich gab mein Bestes.

Das lief immer nach dem gleichen Muster ab. Oh ein Netter! Er ist ja echt an mir interessiert! Was der für persönliche Fragen stellt! Das ist war Gutes Grit! Und wie er zurückhaltend ist! Toll! Oh sensibel ist er! Toll! Er ließt auch Romane! Er hat kein Problem mit seinen Emotionen! Toll! ———————— Kann es sein, dass er zu kurze Arme hat?! Ja! OMG! Wie das aussieht! Ja danke, es war nett mit dir, aber ich muss jetzt los. Babysitter und so.

Ich habe Beziehungen beendet, weil ich es nicht ertragen konnte, in welchem arroganten Tonfall Einer mal eine Cola bestellt hat, oder weil bei einem Anderen das reingesteckte Hemd an einer Seite raushing.

Wenn’s also ein netter Mann war, hab ich so lange gesucht, bis ich was gefunden hatte, um voller Überzeugung „Nein“ zu sagen. Bei den „Unnetten“ lagen die Defizite zahlreich ausgebreitet vor mir und ich konnte entspannt drüber weg steigen. Völlig irre!

Es gab aber auch noch eine andere Kategorie für mich damals. Ich hab gar keinen richtigen Begriff für diese Schublade; damals hätte ich wahrscheinlich „Bekloppte“ drauf geschrieben.

Ein Beispiel.

Ich hatte das Internet-Dating für mich entdeckt. Als berufstätige junge Mutter war das ideal um Jemanden kennen zu lernen. Damals hieß die Plattform friendscout24 und war kostenfrei. Ich schrieb mit einem Mann mit dem Nickname „Gentleman“ und fand sein Bild und seine Art zu schreiben sehr ansprechend. Wir verabredeten uns für einen Nachmittag im Schillergarten. Ich freute mich, brezelte mich auf und fuhr mit dem Fahrrad das kurze Stück an der Elbe.

Wir waren für 17.00 Uhr verabredet und ich war pünktlich. Wie wir ungefähr aussahen, wussten wir von unseren Profilfotos. Ich ging langsam durch die Tischreihen, fand aber Niemanden der aussah wie der „Gentleman“. Also holte ich mir was zu trinken und setzte mich an einen der Tische. Es war Sommer und voll im Schillergarten. Nach 15 Minuten schrieb ich eine SMS und fragte, ob er da sei und wir uns bloß noch nicht entdeckt hätten. Nein, er säße wohl noch in der Bahn, weil er sich verfahren hätte ( doch, er war Dresdner) in 10 Minuten wäre er aber da.

Es kam keiner nach 10 Minuten. Das Blöde an einem vollen Biergarten im Sommer ist, dass dauernd jemand kommt und nach den freien Plätzen fragt. Es war mir so peinlich. Außerdem mußte ich mal aufs Klo nach dem Radler. Das konnte ich aber wegen des Tisches nicht riskieren. Wenn ich heute daran denke, möchte ich mich selber schütteln und mich sofort nach Hause schicken. Damals habe ich 45 Minuten auf einen Mann gewartet, der viel kleiner war als angegeben, das Foto definitiv bearbeitet hatte und einen silbernen Alukoffer auf den Tisch knallte mit den Worten: „ Ich habe mein Portemonnaies vergessen. Hast du mal 5 Euro für ein Bier!?“

Mein Mutter hat sich vor Lachen fast in die Hose gemacht, als ich ihr sagte, dass ich ihm das Geld gegeben hätte!

Er hatte neben dem unsäglichen Beschimpfen seiner Exfrau noch eine besondere Überraschung für mich. Deswegen der Alukoffer. Ich betete innerlich, dass er jetzt nicht einen auf „Zauberpeter“ macht!

Voller Stolz zog er Bilder im A4 Format aus dem Koffer.

Es waren meine Profilfotos aus dem Internet. Ab da hatte ich Schiss. Er bekam nochmal 5 Euro von mir und eine vage Ansage zu einem erneuten Treffen. Dann haute ich alles was ging in die Pedale, um mich zu Hause von diesem Portal ab zu melden. Vorerst.

Heute hab ich Euch aber zu getextet! Aus dieser Zeit gibt es aber auch viel Absurdes und Lustiges zu berichten. Vermutlich erzähle ich nächstes Mal vom schönen Kranfahrer mit dem Picknickkorb?!

Jetzt wünsche ich Euch ein schönes Wochenende, schonmal viel Muckeligkeit beim Lichter anschmeißen und Naschen.

Fette Drückerchen

Eure Grit

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da war ich noch klein 😁
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