Liebste Menschen,

jetzt aber! Ich hatte so unglaublich viele Dinge im Aussen, die meine Aufmerksamkeit erforderten, sodass ich keine Muße zum Schreiben hatte.

Wichtigste Erkenntnis seit Tagen: Ich bin soooo sauer! Wütend! Zornig!

Seit ganz paar Jahren habe ich ein Sodbrennen entwickelt, das mit der Zeit immer stärker wurde. Mittlerweile hab ich nach jedem Essen einen sogenannten stillen Reflux, der sich auf die Nasennebenhöhlen und auf die Stimmbänder legt. Mir versagt immer mal wieder die Stimme.

Ich hab das immer auf das Rauchen geschoben oder auf fettiges Essen. Da ich seit 2 Jahren Nichtraucher bin ( woop woop) und weniger fettig esse, war ich am Grübeln, was da noch sein könnte.

Mal vom Körper wegbetrachtet, gab und gibt es sehr viele Situationen, Begebenheiten, Wahrnehmungen, die mich herausforderten und herausfordern. Mir war nur nicht klar, zu was ich herausgefordert wurde und werde.

Bis jetzt!

Ich darf wütend sein! So theoretisch ist mir das klar und ich ging davon aus, dass ich so grundsätzlich KEIN Problem damit hätte. Da hab ich mich wohl geirrt, bzw. darf ich es vielleicht noch mutiger und klarer angehen. Eine anderer Erklärung ist auch, wenn man nur Erzählungen über Wut kennt. Also nur die Wut der anderen, diese übernimmt, aber nicht wirklich selber mit eigenen Erfahrungen füllen kann (ganz spannendes Thema).

Was bedeutet das Gefühl: „Wut“? Nichts anderes, als auf eine bedrohliche Situation zu reagieren und sich zu schützen. Fertig. Wie kann das aussehen? Durch scharfe Ansprache, Brüllen, Körperspannung, Dinge zerstören? Hm.

Wenn ich so reinspüre, hab ich tatsächlich etwas Angst vor meiner Wut, weil ich ihr unterstelle maßlos zu sein. Vielleicht raste ich so aus und verletze jemanden? In meinen Gedanken scheint das eine Option zu sein. Hm.

Andererseits denke ich, wenn ich in der Lage bin, meine Wut so zu kontrollieren, wie bisher, dann kann ich auch über die Art und Weise entscheiden, wie ich sie rauslasse. Oder!?

Bei uns zu Hause war man nicht offensichtlich wütend. Wir waren launisch, unterschwellig aggressiv, enttäuscht oder genervt. Die Gründe dafür liegen weit zurück, dort, wo Wut mit körperlicher Gewalt Hand in Hand ging. Wer so etwas erleben musste, entscheidet sich oft dafür, der Wut generell keinen Raum mehr zu lassen.

Aber auch wenn man sich gegen ein Gefühl entscheidet, findet es trotzdem statt. Im Verborgenen und auf Dauer in der Manifestation in chronischen Erkrankungen. Schöne Scheisse.

Wie bin ich jetzt auf meine offensichtlich unterdrückte (schönes Wortspiel) Wut gestoßen?

Bevor wir uns auf unsere Auslandsreise gemacht haben, hatten wir doch in einer Wohnung über einer inoffiziellen Bar gewohnt. Die Belästigung durch die Besoffenen und deren laute Musik in der Nacht, hat mich fast in den Wahnsinn getrieben. Jetzt, Achtung festhalten, wohne ich in einer kleinen Zweiraumwohnung, ganz oben in einem Mehrfamilienhaus mit Nachbarn, die beide Freizeit-DJ´s sind und meinen, mit selbstgebastelten Boxen und Subwoofern, ab 19.00 Uhr das Haus mit diesem Schlager-Bass und ab 23.30 Uhr mit den Toten Hosen beschallen zu müssen. Außerdem wird fast täglich direkt vorm Haus gegrillt, und sowieso wird das ganze Areal als eigenes Grundstück betrachtet. Ich könnte ausrasten!

Letzte Woche lauf ich mit Theo von der Arbeit nach Hause. Mir kommt ein Mann entgegen und nimmt den kompletten Fußweg für sich ein. Ich muss ausweichen ( mit Hund etwas schwieriger) und er belegt mich mit: „ Mach das du wegkommst, alte Scheisse“. Ich dachte, ich hör nicht richtig, hatte aber den Mut zu entgegnen, dass ihm der Bürgersteig nicht allein gehöre. Ich glaube, in seinem Heimatland, hätte er mich verprügelt, so wie er mich anguckte.

Es gibt noch viele andere „Ärgernisse“ die mir zeigen, dass da etwas in mir gesehen werden will. Ich hoffe ja inständig, dass ich schon mit meinem Bewusstsein über meinen defizitären Umgang mit meinem Gefühl einen Schritt weiterkomme und vielleicht schon durch das Schreiben entspanne.

Wenn nicht, werde ich wahrscheinlich den Typen in meinem Haus einen besonderen Moment schenken, wenn ich sie brüllender Weise auf die Ruhezeiten und Kopfhörer aufmerksam mache.

Ganz interessant dazu ist auch die Bindung zwischen meinem Hund und mir. Ich musste erkennen, dass er mich ziemlich gut im Griff hatte. Meine Ansagen, wenn es mir um wichtige Regeln ging, hat er schön ignoriert. Das hat mich echt wütend gemacht und das habe ich ihm auch vorgesäuselt. Wer einen Hund hat, weiss wie sich das anfühlt. Bis letzte Woche, da hat er es auf die Spitze getrieben, in einer gefährlichen Situation. Ich habe aus Angst so gebrüllt wie noch nie. Er kam sofort zu mir und ich meine seitdem hat sich etwas zwischen uns geändert. Mal sehen.

Ein Gedanke noch dazu. Die Spirituelle Szene sagt ja, dass die Kriege im Aussen, nur der Spiegel sind, für die Kriege in unserem Innern. Mir wird es echt blümerant, wenn ich daran denke, wieviel Arbeit noch vor uns liegt, uns genau diese Konflikte bewusst zumachen. Auf der anderen Seite durchfließt mich eine tiefe Zuversicht, wenn ich an unsere jungen Menschen denke, die viel offener und selbstverständlicher mit Themen wie Achtsamkeit, Reflexion, Meditation und Spiritualität umgehen.

Ich bin sehr daran interessiert, wie ihr mit eurer Wut umgeht und wie ihr sie bewertet!

Jetzt fühlt euch erstmal gedrückt und habt einen schönen Restsonntag.

Bis bald

Eure Grit

ich hab wieder normale Haare😁

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