Liebste Menschen,

ich bin erstmal fertig mit sauer sein. Ich durfte tatsächlich noch ein bisschen üben, meine Grenzen zu zeigen und ich freue mich wie Bolle, dass ich jetzt weiss, dass ich es kann, wenn ich möchte.

Aus Gesprächen habe ich erfahren, dass es anderen Frauen auch so geht. Das sie in eine Art Schockstarre fallen und keinen Ton rausbringen, der Körper eingefroren und doch hoch angespannt ist, wenn sie sich in Situationen wiederfinden, in denen sie „angegriffen“ werden.

Meist hängen einem diese Erlebnisse ewig nach und noch Monate oder sogar Jahre später können die Gefühle dazu hochsteigen, so als würde es eben erst passiert sein.

Eine Kundin meinte dazu auch, dass sie es so satt hätte, immer die „Liebe, Nette“ zu sein, aber keine Ahnung habe, wie sie aus dieser Nummer rauskäme. Es wundert nicht, wenn man schaut, mit welchen Eigenschaften gerade Mädchen programmiert wurden.

Mein jetziger Erfahrungsstand ist folgender:

Diese Schockstarre ist ganz sehr früh entstanden. Es ist eine Reaktion des Körpers, als er mit einer Situation und den Gefühlen dazu, völlig überfordert war. Meist ist so eine Situation extrem beschämend und demütigend gewesen. Und eigentlich hätte man sich in dieser Situation mit Wut, Aggression oder Flucht verteidigen müssen. Durfte man aber nicht, aus welchen Gründen auch immer.

Diese Starre ist also abgespeichert als Reaktion auf Ereignisse, die uns beschämen, demütigen oder wir sie als solche empfinden.

Diese Starre kann aufgelöst werden, indem wir uns ihrer bewusst werden und ggf die Situationen von früher neu bewerten.

Als kleines Beispiel:

Ich hatte einen Lehrer in der Schule, der es genoss, einen Schüler an der Tafel so richtig fertig zu machen. Er schickte einen armen Tropf nach vorn, setzte sich selber auf dessen Platz und erfreute sich daran, den Schüler zu quälen. Ich habe unter anderem mal den Spruch kassiert: „Wenn du dämliche Gans jetzt nicht die Aufgabe löst, drehe ich dir den Hals um.“ ( würde heute so nicht mehr funktionieren)

Damals war ich darum bemüht, nicht vor der Klasse in Tränen auszubrechen und stand stocksteif mit knallrotem Kopf an der Tafel. Grausam.

Diese Situation neu bewerten würde zB. heißen, sich gedanklich und emotional nochmal an die Tafel zu stellen und den Lehrer, Stinkefinger zeigend anzubrüllen, was für ein Oberarschloch er doch sei und mit lautem Türknallen und erhobenem Kopf die Szene zu verlassen.

Es ist sehr befreiend, wenigstens im Nachhinein für sich eintreten zu können und alle blockierten Energien im Körper fließen zu lassen.

Und dann heisst es üben!

In meinem Fall habe ich genug fremde Leute zur Verfügung gestellt bekommen, die mich unbewusst getestet haben. Der Abschluss war ein Mann auf dem Fahrrad, der fast in meiner Poritze „geparkt“ hätte, weil ich „so bescheuert bin und nicht nach hinten gucke“, wenn ich einen Schritt zur Seite mache ( auf dem Fußweg) .

Im Ergebnis haben wir uns einfach nur angebrüllt und ich war später so stolz auf mich, dass ich meine Schockstarre überwunden habe. Geheult habe ich auch noch vor lauter Wut, aber das war okay.

Es geht natürlich nicht darum, in meiner Wut zu baden und sie zu kultivieren. Ich weiss jetzt einfach nur, dass ich mich verbal verteidigen kann und das auch laut.

So ihr lieben Zuckermäuse, jetzt wünsche ich euch ein wunderschönes Wochenende und Freude bei allem was ihr macht.

Drückerchen

Eure Grit

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😘
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