Liebste Menschen,

genau vor einem Jahr sind wir von unserer Reise zurückgekehrt mit reichlich Erfahrung, vielen Emotionen und einem kleinen Hund.

Ich möchte heute von Theo erzählen.

Eine besondere Tierliebe habe ich nie verspürt. Ich hatte den obligatorischen Hamster „Goldie“ und einen Wellensittich, „Bubi“, glaube ich. Besonders lange wohnten die Beiden auch nicht bei uns.
Meine halbherzige Begeisterung gab ich direkt an meine Tochter Lilli weiter, sodass wir es zwar mit Meerschweinchen versuchten, aber auch diese Liaison war nur von kurzer Dauer.

Umso mehr hauten mich meine Gefühle vom Hocker, als ich letztes Jahr am Strand in Griechenland eine Hündin namens „Gaja“ traf.
Sie war nichts Kleines zum Knuddeln, sondern wild und für mich groß. Ich hatte, sagen wir mal, Respekt.
Die Tage, die wir an diesem Spot standen, ließ sie sich von uns füttern, beschmusen und begleitete uns auf unseren Strandspaziergängen. Sind wir mal zum Einkaufen weggefahren, gab es ein großes „Hallo“, wenn wir wieder da waren.

An dem Tag als wir aufbrachen, um unsere Reise fortzusetzen, hatte ich eine Riesentraurigkeit im Herzen. Ich konnte nicht gut damit umgehen, da ich dieses Gefühl für ein Tier nicht kannte.
Also erstmal weg damit und Fokus auf den nächsten Stop in Griechenland.

Ca. 80 km weiter hatten wir einen tollen Wasserfall ausfindig gemacht und auch einen angenehmen Übernachtungsplatz. Kaum kam ich zur Ruhe am Abend, kam dieses Gefühl wieder hoch mit einer Intensität, die mich nicht schlafen ließ. Ich war tatsächlich todunglücklich und vermisste Gaja schmerzhaft. Gegen 4 Uhr morgens hatte ich meinen Gedanken „Wir nehmen sie mit.“ und weckte Stefan, der sich völlig verpeilt meinen Gedankenschwall anhören musste.

Zwei Stunden später war klar, dass wir zurückfahren und Gaja mitnehmen würden.
Ich war so glücklich und aufgeregt!

Als wir wieder in Neochorion ankamen, wurden wir freudig begrüßt von Gaja. Der Plan war, sie einsteigen zu lassen und abzufahren.
Das das sehr naiv war, weiss ich heute auch.

Sie stieg nicht ein. Ich heulte und war verzweifelt. Ein Einheimischer erklärte mir sanft meinen Egoismus. Sie hatte es gut dort. Einen Strand, ihre anderen Hundefreunde und permanent Touristen, die sie verwöhnten.
Ach Scheisse! Das wollte ich nicht hören!

Später am Tag kamen wieder Einheimische und erzählten, dass Gaja erst vor ein paar Monaten einen Wurf von vielen Welpen hatte, die in der nahegelegenen Tierpension betreut und vermittelt werden.

Wir fuhren hin. Es war eine tolle kleine Pension, gegründet von Schweizern und bewirtschaftet von jungen tierlieben Menschen.
Meine neue Freude bekam direkt wieder einen Dämpfer. Gajas Welpen waren bereits alle vermittelt! Schon wieder Scheiße.

Wir ließen einen Blick über die Hundemeute schweifen, die sich um uns versammelt hatte, aber keiner berührte mein Herz sowie Gaja.

Stefan entdeckte dann hinter einer Holzkiste ein kleines ängstliches Etwas mit riesigen Ohren. Dieser kleine Hund ließ sich nicht anfassen, sondern machte eine großen Bogen um uns.
Stefan war sofort verliebt. Ich noch nicht.
Wir machten mit allen Hunden einen Spaziergang und erfuhren ein bisschen was über Theos Geschichte. Seine Mutter wurde wohl an einer Kette gehalten und nicht gut versorgt. Sie und ihr Wurf wurden von Tierschützern weggeholt und in der Pension wieder aufgepäppelt und vermittelt.

Theo liebte seine Schwester und wurde unsagbar traurig, als sie vermittelt wurde und er als Einziger übrig blieb. Man kann seine Zurückhaltung gut verstehen.

Wir vereinbarten eine Probezeit mit der Pension und durften Theo für ein paar Tage mitnehmen.
Er war fix und fertig, zitterte am ganzen Körper und ich zerfloss fast in Mitgefühl.
Als wir wieder am Strand ankamen, schoss Gaja direkt auf uns zu und nahm ab da Theo ( der vorher Nussi hieß ) unter ihre Fittiche.

Es war so schön zu sehen, wie er langsam auftaute und zu spielen anfing. In unserer ersten gemeinsamen Nacht, beschloss Theo seine Zurückhaltung aufzugeben und schob seinen kleinen befellten Hintern ganz eng zwischen Stefan und mich.

Die folgenden Tage waren geprägt von, Lernen an der Leine zu laufen, viel Spielen und Fressen, als gäbe es kein Morgen mehr.

Wir waren uns einig, dass Theo zu uns gehört und regelten alle bürokratischen und ärztlichen Angelegenheiten.

Was soll ich sagen… Theo veränderte komplett unsere Art zu reisen. Er vertrug das Autofahren noch nicht, konnte mit vielen Menschen nichts anfangen, brauchte ganz viel Ruhe und vor allem brauchte er Bezugspersonen, die einen Plan hatten von Hunden, deren Bedürfnissen, von Entwicklungsschritten, Ernährung und „Erziehung“.
Hatten wir alles nicht. Es war Chaos.
Mein Fokus schwenkte von Reisezielen komplett in Richtung Theo, um all das oben genannte zu lernen.

Es gab viel Streit, viele Tränen, Hilflosigkeit und auch Staunen darüber, was es bedeutet, von einem Hund geliebt zu werden. Wie es sich anfühlt, wenn er einem die Tränen ableckt, wie er sich seine Streicheleinheiten einfordert oder wie echt er sich freut, wenn er seinen Napf gefüllt bekommt.

Wieder zu Hause, war ich froh, dass ich Theo ganz langsam in die Stadt einführen konnte. Er kannte ja keine Straßenbahnen, keine Wohnung oder mal alleine bleiben.

Er hat das alles richtig gut gemacht. Wir kennen einander viel besser und ich bin gelassener geworden. Mir hat sich eine völlig neue Welt eröffnet. Ich war noch nie soviel „draussen“ und außerhalb meiner Arbeit habe ich schönen Kontakt zu fremden Menschen.

Ist es anstrengend? Ja. Nerven mich die Tierhaare? Ja. Möchte ich alles anders machen? Nein.
So ihr lieben Zuckermäuse, danke für eure Zeit und
habt ein feines Wochenende.

Bis bald Eure Grit

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Gaja
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Theos Mama mit ihren Welpen
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Theo (links) mit seiner Schwester
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Adoptiert
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Gaja kümmert sich um Theo
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Ausruhen vom Spielen
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er gehört dazu
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der kleine Grieche
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angekommen ❤️
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